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Elfter Newsletter der regionalen Promotorenstelle erschienen

Die gegenwärtig global praktizierte Klimapolitik führt nach dem IPCC-Bericht vom Oktober diesen Jahres zu einer Erderwärmung von rund drei Grad zu Ende dieses Jahrhunderts. Tatkräftiges Handeln und politisch richtige Weichenstellungen sind in den nächsten Jahren daher dringend erforderlich, um diese Entwicklung zu stoppen.

Eine wirksame Maßnahme ist, der fossilen Brennstoffindustrie Geld zu entziehen. Bereits Anfang Mai hatte der Großversicherer Allianz erklärt, aus der Einzelversicherung von Kohlekraftwerken und Kohleabbau auszusteigen und sich bis 2040 ganz aus dem Kohlegeschäft zurückzuziehen. Im November verkündete auch Generali, Europas drittgrößter Versicherer, seinen Rückzug aus der Versicherung Kohle-basierter Industrien.

Auf kommunaler Ebene sind neben den vielzähligen Initiativen und Vereinen und kommunalen Klimapolitiken die Stadtparlamente aktive geworden, um nicht länger in den fossilen Energiesektor zu investieren. So Münster als erste deutsche Stadt mit ihrem Beschluss von 2015. In dem heißt es unter Punkt 4.: „Als ethische Mindeststandards gelten folgende Prinzipien: Die Stadt Münster und die von ihr gezeichneten Spezialfonds werden künftig keine Beteiligungen mehr an Unternehmen halten, die Kinderarbeit zulassen, Militärwaffen herstellen oder vertreiben, deren Geschäftsgrundlage auf der Extraktion, Veredelung oder dem Vertrieb von nuklearen oder fossilen Energieträgern (Ausnahme: Erdgas) sowie der Energieerzeugung darauf beruht Mineralöl- oder Kohleprodukte extrahieren, veredeln oder vertreiben, sowie Schiefergasgewinnung (Fracking) betreiben," (Beschlussvorlage Die Grünen, Münster).

In den USA haben 22 Städte, darunter Seattle und San Francisco, den Abzug ihres Kapitals aus der fossilen Brennstoffindustrie verbindlich beschlossen. Ebenso Boxtel in den Niederlanden, Oxford, Oslo und Dunedin in Neuseeland. Auch Berlin, Bremen, Bonn, Göttingen, Freiburg, Leipzig, Oldenburg und Stuttgart verfügen inzwischen über Ausschlusskriterien bezüglich fossiler Brennstoffe für ihre kommunalen Investitionen. Ihr Ziel ist es, den politischen Einfluss der Kohle-, Öl- und Gasindustrie zu schwächen und ihre eigene Klimapolitik glaubhafter voranzubringen. Einen guten Überblick dazu gibt das Projekt und die Internetplattform Kommunales Divestment (kommunales-divestment.de). – Und zudem werden am kommenden Samstag, 1.12., viele zu den zeitgleich stattfindenden Demonstrationen in Berlin und Köln, ab Deutzer Werft, ab 12 Uhr, gehen, um dort für den Stopp der Kohle und für den Klimaschutz zu demonstrieren.

Newsletter 11

Zehnter Newsletter der regionalen Promotorenstelle erschienen

Es kommt nicht häufig vor, dass eine Stadt mit drei Meldungen zu Nachhaltigkeitsthemen innerhalb kurzer Zeit auf sich aufmerksam macht:

Am 22. Oktober verkündete die Stadt Bonn, dass sie ihre mit VertreterInnen verschiedener Gruppen in den letzten zwei Jahren erarbeitete Nachhaltigkeitsstrategie im Dezember vom Rat verabschieden lassen will. Die Strategie liegt jetzt abrufbereit unter: Bonn_Nachhaltigkeits_Strategie.pdf. In der Beschlussvorlage heißt es des Weiteren, dass zur Umsetzung und Weiterentwicklung der Nachhaltigkeitsstrategie die verwaltungsinterne Steuerungsgruppe sowie die projektbegleitende Arbeitsgruppe mit VertreterInnen aus Politik, Zivilgesellschaft, Wirtschaft und Wissenschaft fortgeführt wird. Das entspricht auch dem Interesse der Mitglieder der projektbegleitenden AG, wie sie es auf ihrer letzten Sitzung, am 24. Januar, geäußert hatten.

Am 25. Oktober verschickte nun das Umweltamt ein großes Dankeschön an die Steuerungsgruppe der Fair Trade Town Bonn für ihr „außerordentliches Engagement bei der Förderung des Fairen Handels in unserer Stadt”. Anlass dafür war die erneute Auszeichnung Bonns als Fair Trade Town für die nächsten zwei Jahre.

Am 26. Oktober schließlich verkündete das Amt für Internationales und Globale Nachhaltigkeit, dass es im kommenden Jahr an der NRW-weiten Kampagne „Weltbaustellen" zu den SDGs teilnehmen werde und bereits eine Häuserwand für die Bemalung gefunden habe. Zu einem ersten Treffen wird es noch in diesem Jahr kommen. Weitere Informationen unter: eine-welt-netz-nrw.de/weltbaustellen

Newsletter 10

Neunter Newsletter der regionalen Promotorenstelle erschienen

Der Monat war in Höchstform. Nicht nur wettermäßig. Auch viele Menschen zeigten, warum sich Engagement lohnt. Zu Beginn präsentierte sich die Meckenheimer Partnerschaft mit Kumasi auf dem Altstadtfest in Meckenheim. MIGRApolis eröffnete am 17. die Interkulturelle Woche in Bonn. Am 21. startete die Bonner Filmfair und endete mit über 1000 BesucherInnen. Am 22. sorgte die Rundum fair (Bildausschnitt links) mit 700 BürgerInnen für ein abwechslungsreiches faires Frühstück und einer anschließenden fairen Modeschau. Und am 24. kam nach seinem Film „Code of Survival” im Hennefer Kur-Theater Regisseur Bertram Verhaag ins Gespräch mit Bauer Bernd Schmitz und dem Publikum. Einen Tag davor fand trotz Regen und Kälte das Internationale Kultur- und Begegnungsfest in der Bonner Innenstadt statt.

 

Erfolgreicher Abschluss der Bonner Filmfair 2018

Danke sagt das Organisationsteam! Von links: Ann-Kathrin Voge, Weltladen, Tanja Rerich, Aktion Deutschland Hilft, Gunther Riebel, Bonn-La Paz, Britta Amorin, Agenda-Büro, Albrecht Hoffmann, Koordination, und Julia Krojer, Oikocredit Westdt. Förderkreis

 

War der Start der 6. Bonner Filmfair am 21. September mit 130 ZuschauerInnen schon beachtlich, so sorgte der Dokumentarfilm „Zeit für Utopien“ am Schluss mit 164 ZuschauerInnen für große Freude bei den Veranstaltern. Innerhalb von 10 Tagen präsentierte die Filmfair im WOKI zehn Dokumentar- und Spielfilme, die am nächsten Nachmittag wiederholt wurden, und über 1000 kamen, um sich die Filme anzuschauen und hinterher mit ExpertInnen darüber zu diskutieren.

Es war ein Wagnis für alle. Für das WOKI, für die OrganisatorInnen und Veranstalter. Keiner wusste, ob der Versuch mit täglichen Veranstaltungen gelingen oder alles scheitern wird. Schließlich wurde es ein großer Erfolg, den keiner voraussehen konnte. „Wegen des schönen Wetters litten viele Kinos nicht nur in Bonn unter geringen Besucherzahlen“, so WOKI-Prokurist Tobias Kraemer. „Wir waren selbst überrascht, dass an manchen Tagen die Filmfair-Filme die bestbesuchtesten in unserem Kino waren.“ Für ihn und die Geschäftsführung von WOKI steht jetzt schon fest, dass die Filmfair 2019 wieder mit täglichen Veranstaltungen durchgeführt wird.

Im Mittelpunkt des Filmfestivals standen vier Themen mit jeweils zwei Filmen – einem Dokumentarfilm und einem Spielfilm. Die Themen behandelten Fluchtursachen und Menschenrechte, prekäre Lebensbedingungen in Zeiten des Klimawandels, Landraub und Vertreibung von Kleinbauern etwa in Äthopien und Herausforderungen, die die Nachhaltigkeit an unternehmerisches Wirtschaften und Handeln weltweit stellt. Themen wie Filme standen unter dem Motto „Eine Welt und Globale Partnerschaft. Für beides tragen wir Verantwortung". Die Übernahme von Verantwortung ist nicht nur in Europa derzeit politisch umstritten, denn es geht dabei um die Frage, wie wir mit den vor allem sozialen Folgen der Globalisierung umgehen sollen: Gelten die Menschenrechte auch für diejenigen, die rund um die Uhr für wenig Geld für unseren Konsum und unser Wohlergehen schuften? Gelten sie auch für jene, die mit Hoffnung auf ein besseres Leben aus ihren Ländern fliehen und unsägliches Leid auf sich nehmen, um bei uns leben zu können? Oder verschließen wir davor die Augen und schieben die gesellschaftlichen Herausforderungen, die damit zusammenhängen, beiseite? Wo bleibt Hoffnung, wenn der soziale Zusammenhalt in Gesellschaften schwindet, Wohlstand zunehmend nur für Minderheiten Realität ist, während Ungleichheit und Unsicherheit weltweit wachsen?

Die Filme der Bonner Filmfair waren herausfordernd und thematisch zugespitzt, sie sollten diskussionsanregend wirken und entsprechend unbequeme Fragen aufwerfen. „Ich war erstaunt über das große Interesse an unseren Diskussionen, die im Anschluss an die Dokumentarfilme standfanden“, so Tanja Rerich vom Organisationsteam der Filmfair. „Die meisten blieben bis zum Schluss der Diskussionen. Das war im letzten Jahr noch anders.“ „System Error – Wie endet der Kapitalismus“ war der Dokumentarfilm mit den meisten ZuschauerInnen – mit genau 192. Ihm folgte der Schlussfilm „Zeit für Utopien – Wir manchen es anders“ mit 164 und der Auftaktfilm „Home“ mit 130 BesucherInnen. Das Besondere an dem Abend mit „System Error“ war, dass der Regisseur Florian Opitz im Anschluss für eine Diskussion mit dem Publikum zur Verfügung stand.

In seinem Film kritisiert er den Glauben an ewiges Wirtschaftswachstum, der bei manchen seiner Interviewpartner fast schon religiöse Züge annahm. War für den Hedgefonds-Manager Anthony Scaramucci ein Wirtschaftssystem ohne Wachstum „einfach nur falsch“, so wollte sich beispielsweise der ehemalige Allianz-Chefinvestor Andreas Gruber „eine Welt ohne Wachstum nicht vorstellen". Und der chinesische Airbus- Chef Eric Weng schwärmte: „Stellen Sie sich vor, jeder könnte es sich leisten zu fliegen.“ – Zum Klimawandel beispielsweise fiel von ihnen kein einziges Wort. „Wir haben die Lektion gelernt, aber dann wieder vergessen", sagt im Film der britische Ökonom Tim Jackson im Rückblick auf die Weltwirtschaftskrise von 2008. Er war Teil der britischen Regierungskommission für Nachhaltige Entwicklung, die 2009 mit dem Bericht „Wohlstand ohne Wachstum?“ an die Öffentlichkeit ging, ohne jedoch großen Einfluss auf das politische Handeln ihrer Regierung zu haben.

Neben unbequemen Fragen und unerquicklichen, möglichen Perspektiven berichteten die Filme auch von Mut machenden Beispielen eines gesellschaftlichen Engagements, das von großer Zuversicht und dem Willen zur Veränderung geprägt ist. So war es der kenianische Bauer Kisilu, der von der norwegischen Filmemacherin Julia Dahr entdeckt und über mehrere Monate von ihr begleitet wurde, der die ZuschauerInnen mit seinem Optimismus stark beeindruckte. Trotz heftiger Rückschl.ge und von Hunger begleitet gelang es ihm, sein Dorf und die Menschen seiner Region zum Bäumeplanzen anzustiften, um das örtliche Klima zu beeinflussen. Pflanzungen zwischen den Bäumen waren schließlich so ertragreich, dass die Überschüsse regelmäßig verkauft werden konnten und Kisilu Weitere Informationen unter: www.filmfair.de AnsprechpartnerInnen in der Lage war, das Schulgeld für seine Kinder zu bezahlen.

Der Film „Zeit für Utopien“ zeigte vor allem, dass viele Menschen nicht mehr länger Teil der Probleme sein, sondern aktiv zur Verbesserung eines solidarischen Miteinanders und zu gesellschaftlichen Lösungen beitragen wollen. Gemeinsinn, eine starke Gemeinschaft und Wirtschaftskooperativen stehen in diesem Film im Vordergrund. „Derzeit ist es immerhin so, dass geschätzte zehn Prozent der Bevölkerung schon anders arbeiten, wohnen oder leben. Das heißt die Menschen, die sich diesen Formen zuwenden, sind weit mehr, als es den Anschein hat. Und der Film will einfach diese gemeinsame Geschichte erzählen, weil diese Menschen relativ leise sind bis jetzt", erläutert der Regisseur Kurt Langbein. Oder wie es Tim Jackson in seinem Buch „Wohlstand ohne Wachstum“ formuliert: „Bei Wohlstand, wenn man ihn richtig versteht, geht es um die Qualität unseres Lebens und unserer Beziehungen, um die Widerstandsfähigkeit unserer Gemeinschaften und um unser Gefühl für individuelle und kollektive Sinngebung.“

Die Filmfair wird auch in Zukunft mit Hilfe ausgewählter Filme diesen Menschen Gehör verschaffen und mittels Dokumentarfilmen Einblicke in unsere Eine Welt geben, damit wir noch besser in der Lage sind, Verantwortung für sie zu übernehmen. Diese Haltung wird auch von den Offiziellen Partnern der Bonner Filmfair geteilt. So betont beispielsweise Germanwatch: „Die Filmfair beschäftigt sich thematisch mit den Kernanliegen unserer Organisation – und stellt dabei auch diejenigen in den Mittelpunkt, die für ihre Rechte und eine bessere Zukunft kämpfen. Wir unterstützen gern die Filmfair, weil wir genau so in die Zukunft blicken wollen: mit großem Engagement, Zuversicht, Mut und wachem Blick für Veränderungen.“